Kempten ist eine der ältesten Städte Deutschlands

Kempten, eine der ältesten Städte Deutschlands, liegt im Allgäu im Süden Bayerns. Ihre Geschichte ist reich und vielschichtig, geprägt von antiken Wurzeln, religiösen Auseinandersetzungen, wirtschaftlichem Aufschwung und kultureller Blüte. Im Folgenden wird die facettenreiche Geschichte von Kempten detailliert dargestellt.

Antike und Frühmittelalter

Die Ursprünge Kemptens reichen bis in die Römerzeit zurück. Unter dem Namen „Cambodunum“ war Kempten eine bedeutende römische Siedlung. Archäologische Funde belegen, dass die Römer um 15 v. Chr. ein Militärlager errichteten, das später zu einer zivilen Siedlung ausgebaut wurde. Cambodunum war Verwaltungssitz und Verkehrsknotenpunkt, und es gab öffentliche Bauten wie Thermen, Tempel und ein Forum.

Nach dem Niedergang des Römischen Reiches im 5. Jahrhundert wurde die Region von den Alemannen besiedelt. Im frühen Mittelalter entwickelte sich Kempten zu einem wichtigen religiösen Zentrum. Der Legende nach gründete der Heilige Magnus im 8. Jahrhundert das Benediktinerkloster Kempten, das eine zentrale Rolle in der Christianisierung der Region spielte.

Mittelalter: Blütezeit und Konflikte

Im Hochmittelalter wuchs Kempten zu einer bedeutenden Handelsstadt heran. Im 13. Jahrhundert erhielt Kempten das Marktrecht, was den wirtschaftlichen Aufschwung förderte. Der Handel mit Salz, Textilien und landwirtschaftlichen Produkten blühte.

Jedoch war das Mittelalter auch eine Zeit der Konflikte. Die Teilung der Stadt in die Reichsstadt Kempten und die Fürstabtei Kempten führte zu ständigen Auseinandersetzungen. Die Reichsstadt stand unter direktem Schutz des Kaisers, während die Fürstabtei eine kirchliche Herrschaft darstellte. Diese duale Struktur führte zu wirtschaftlicher und politischer Konkurrenz sowie zu gelegentlichen militärischen Auseinandersetzungen.

Frühe Neuzeit: Reformation und Krieg

Im 16. Jahrhundert erreichte die Reformation Kempten. Die Reichsstadt nahm den lutherischen Glauben an, während die Fürstabtei katholisch blieb. Diese konfessionelle Spaltung vertiefte die bestehenden Spannungen. Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) wurde Kempten schwer verwüstet. Beide Teile der Stadt litten unter den Plünderungen und Zerstörungen durch die kriegsführenden Parteien.

Wiederaufbau und Barockzeit

Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges begann der Wiederaufbau Kemptens. Besonders die Fürstabtei Kempten erlebte unter Fürstabt Roman Giel von Gielsberg eine kulturelle und wirtschaftliche Blütezeit. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden zahlreiche Barockbauten errichtet, die das Stadtbild bis heute prägen. Das Residenzschloss und die Basilika St. Lorenz sind herausragende Beispiele barocker Baukunst in Kempten.

19. Jahrhundert: Industrialisierung und Eingemeindung

Mit der Eingliederung in das Königreich Bayern im Jahr 1803 endete die Teilung Kemptens. Die Säkularisation führte zur Auflösung der Fürstabtei und zur Vereinigung von Reichsstadt und Klosterstadt. Im 19. Jahrhundert setzte die Industrialisierung ein. Textilindustrie, Maschinenbau und Lebensmittelverarbeitung wurden zu hilfreichen Wirtschaftszweigen. Die Eröffnung der Eisenbahnlinie nach München im Jahr 1853 förderte den wirtschaftlichen Aufschwung weiter.

20. Jahrhundert: Kriegszeiten und Wiederaufbau

Der Erste Weltkrieg und die anschließende Wirtschaftskrise brachten auch für Kempten schwere Zeiten. Die politische Instabilität und die Inflation der 1920er Jahre belasteten die Stadt. Während des Zweiten Weltkrieges erlitt Kempten Zerstörungen durch Luftangriffe, aber die Stadt wurde im Vergleich zu anderen deutschen Städten weniger schwer getroffen.

Nach dem Krieg begann der Wiederaufbau, und Kempten entwickelte sich zu einem essentiellen regionalen Zentrum. Die Textilindustrie verlor an Grundbedeutung, während neue Wirtschaftszweige, insbesondere im Bereich Maschinenbau und Elektrotechnik, entstanden. Der Ausbau der Infrastruktur und der Wohnungsbau wurden vorangetrieben, und Kempten wuchs zu einer modernen Stadt heran.

Moderne: Wirtschaft und Kultur

Heute ist Kempten eine pulsierende Stadt mit rund 70.000 Einwohnern. Die Stadt ist ein signifikanter Bildungsstandort mit der Hochschule Kempten, die 1978 gegründet wurde und zahlreiche Studiengänge in den Bereichen Technik, Wirtschaft und Sozialwissenschaften anbietet. Der Tourismus spielt ebenfalls eine bedeutende Rolle, denn das Allgäu ist eine beliebte Urlaubsregion.

Kulturell hat Kempten viel zu bieten. Das Allgäu-Museum, das Archäologische Park Cambodunum und zahlreiche historische Gebäude ziehen Besucher an. Jährliche Veranstaltungen wie das Allgäuer Festwoche, ein großes Volksfest, und der Kemptener Weihnachtsmarkt sind Höhepunkte im städtischen Kalender.

Die Geschichte Kemptens ist ein beispielloses Spiegelbild der europäischen Geschichte. Von den römischen Anfängen über die religiösen und politischen Konflikte des Mittelalters und der frühen Neuzeit bis hin zur modernen Industrialisierung und der Entwicklung zu einer Bildungs- und Kulturstadt hat Kempten vielzählige Wandlungen erlebt. Trotz aller Veränderungen hat sich die Stadt ihren historischen Charme bewahrt und blickt optimistisch in die Zukunft.